20.03.2020

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20.03.2020

Unternehmensbeteiligungen als Anlageklasse

Von Britt Niggemann, Partnerin

Im heutigen Niedrigzinsumfeld sind vermögende und weniger vermögende Anleger auf der Suche nach Kapitalanlagen, die eine Rendite oberhalb der Inflationsrate versprechen. Weder mit Tagesgeld noch mit bonitätsstarken Anleihen können derzeit reale Renditen erzielt werden. Deshalb weichen Anleger immer stärker auf andere Anlageklassen aus. Aufgrund der hohen Nachfrage haben Aktien, Anleihen und Immobilien in den letzten Jahren hohe Wertzuwächse verzeichnet und gelten teilweise als überbewertet. Die relativ hohe Bewertung dieser Anlagen verstärkt den Wunsch, in weitere Anlageklassen zu investieren. Eine zunehmend gefragte Anlageklasse stellen Beteiligungen an Unternehmen, sogenanntes „Private Equity“, dar.

Im Gegensatz zu Aktien ist „Private Equity“ nicht jederzeit handelbar und kann während der Laufzeit teilweise nur mit hohen Abschlägen verkauft werden. Diese Illiquidität ist der Preis für die hohen Renditechancen.

Unternehmensbeteiligungen stellen eine eigene, weniger mit den traditionellen Anlageklassen Aktien und Anleihen, korrelierte Kapitalanlage dar. Da Unternehmensbeteiligungen, anders als börsennotierte Aktien, nicht täglich gehandelt und bewertet werden, unterliegen sie auch geringeren Wertschwankungen. Die fehlende Börsennotierung hat aus Anlegersicht jedoch den Nachteil, dass sie nicht jederzeit veräußert werden können. D. h. Beteiligungen sind von vornherein als langfristiges Investment anzusehen und nur für Anleger mit einem langen Anlagehorizont geeignet.

Anleger können sich über verschiedene Modelle an Unternehmen beteiligen, abhängig von der Höhe des Kapitaleinsatzes und der Bereitschaft, aktiv bei der Identifizierung, Prüfung und Führung von Unternehmensbeteiligungen mitzuwirken. Schon mit einem kleinen Kapitaleinsatz von wenigen hundert Euro ist eine unternehmerische Beteiligung möglich. Allerdings kann weder beim Crowdinvesting noch bei einer Investition über Private-Equity-Fonds Einfluss auf die Beteiligung genommen werden. Einen näheren Bezug zum Unternehmen, z. B. über eine Beiratsfunktion, ist bei Club Deals oder Direktbeteiligungen denkbar.

Crowdinvesting

Beim Crowdinvesting handelt es sich um die Finanzierung von Unternehmen über webbasierte Plattformen, die als Intermediäre zwischen Investoren und Unternehmen fungieren. Anleger sollten eine Crowdinvestment-Beteiligung sorgfältig prüfen, da die Ausfallraten in diesem Segment hoch sind. Gemäß Crowdinvest Marktreport sind bei der Finanzierung mittelständischer Unternehmen 17,2 % der Investments ausgefallen bzw. ausfallgefährdet. Im Segment der Startup-Finanzierung sind sogar 23,4 % ausgefallen bzw. ausfallgefährdet. Crowdinvesting ist aufgrund des geringen Mindestkapitaleinsatzes zwar für viele Investoren möglich, das Risiko aber vergleichsweise hoch.

Private-Equity-(Dach-) Fonds

Private-Equity-Fonds beteiligen sich i. d. R. an fünf bis 20 Unternehmen. Da es ein professionelles Fondsmanagement gibt, muss sich der Investor nicht mit Identifikation, Prüfung, Beteiligungsstrukturierung und Überwachung der Portfoliounternehmen beschäftigen. Bei Private-Equity-Dachfonds wird eine noch höhere Diversifikation erreicht, da der Dachfonds wiederum in mehrere Private-Equity-Fonds investiert. Im Gegensatz zu aktiv gemanagten Aktienfonds kann man bei Private-Equity-Fonds aus vergangenen Erfolgen auch Erfolgsaussichten für neu aufgelegte Fonds ableiten: Private-Equity-Gesellschaften, die mit früheren Fonds hohe Renditen erwirtschaftet haben, schaffen dies höchstwahrscheinlich auch mit anschließend aufgelegten Fonds. Je nach Anlageschwerpunkt variierten die 10-Jahres-Renditen der Private-Equity-Fonds zwischen 15,5 % bei Buyout Fonds und 10,2 % für Venture Capital. Die Dachfonds konnten trotz ihrer doppelten Kostenbelastung mit 11,2 % eine höhere Performance erzielen als die Venture-Capital-Fonds.

Club Deals

Ein weiterer Weg, in Private Equity zu investieren, sind sogenannte Club Deals. Hierzu schließen sich mehrere Investoren zusammen, die sich gemeinsam an Unternehmen beteiligen. Investoren in Club Deals sind vermögende und häufig unternehmerisch erfahrene Privatpersonen und Family Offices, die ihre Eigenmittel poolen und sich die Kosten und Risiken einer Beteiligung teilen. Die Beteiligungsdauer ist häufig zeitlich nicht befristet, und es gibt keine Verpflichtung zum „Exit“. Typische Zielunternehmen sind mittelständische Familiengesellschaften, die eine Nachfolgesituation lösen möchten oder Wachstumskapital benötigen.

Direktbeteiligungen

Direkte Beteiligungen an Unternehmen ermöglichen dem Investor die größte Flexibilität und den stärksten Einfluss. Sie erfordern aber auch einen hohen Eigenkapitaleinsatz und umfangreiches Fachwissen für die Beteiligungsprüfung, -durchführung und -kontrolle. Einer Untersuchung der WHU zufolge investiert rund die Hälfte (49 %) der Single Family Offices im deutschsprachigen Raum in Direktbeteiligungen. Die Beteiligungen sind mit einer durchschnittlichen Haltedauer von 19 Jahren sehr langfristig angelegt.

Vor- und Nachteile von Unternehmensbeteiligungen

Mit Unternehmensbeteiligungen wird in eine Anlageklasse investiert, die weniger mit den Anleihen- und Aktienmärkten korreliert und das Vermögen noch breiter diversifiziert. Weitere Vorteile dieser Anlageklasse sind:

  • reduzierte Abhängigkeit von den Schwankungen an den Kapitalmärkten
  • sichere Kapitalzuflüsse, wenn Unternehmensgewinne (teilweise) ausgeschüttet werden
  • Inflationsausgleich und Vermögensmehrung durch Unternehmenswert­steigerung
  • Förderung der Beteiligungsunternehmen durch Transfer von Know-how und Netzwerk
  • Aufbau eines individuellen Beteiligungsportfolios ermöglicht die Risikostreuung über mehrere Unternehmen
  • gezielte Suche nach Beteiligungsmöglichkeiten erlaubt die Anlage in Unternehmen, die den Interessen des Investors entsprechen

Als Nachteil von Direktbeteiligungen gelten vor allem die Langfristigkeit, die geringe Fungibilität und die teilweise hohen Kosten.

Während Crowdinvestments höchstens für Anleger mit geringem Kapitaleinsatz infrage kommen, steigen die Möglichkeiten mit zunehmendem Vermögen. Viele Investoren bevorzugen Club Deals, da sie hierbei das Risiko mit anderen Investoren teilen und eine breitere Risikostreuung erreichen.

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